Aconcagua – der weiße Wächter


Mein Fernweh führte mich 2020 auf den höchsten Gipfel des südamerikanischen Kontinents – sogar auf den des „doppelamerikanischen Kontinents“, denn in Nordamerika gibt es keinen höheren.
Zusammen mit einem Trüppchen unerschrockener Weggefährten, respektive Weggefährtinnen machte ich mich auf die Reise entlang der Guanaco-Traverse…

Die Anreise:
Über Buenos Aires und Mendoza erreichen wir Los Penitentes am späten Nachmittag.
Das Gepäck trennen wir direkt im Keller des Hotels in zwei „Portionen“:
Ein Teil wird morgen von Mulis direkt zum Basislager transportiert, der andere Teil immer nur zu unserem aktuellen Tageslager entlang des Aufstiegs bis zum Basislager, wir kommen also mit einem Tagesrucksack aus.

Tag 1:
Aufbruch an der Punta de Vacas zum Aconcagua Basecamp über das Vacas–Tal. Diese Route ist sehr ruhig und wenig frequentiert und voll unberührter Natur. Tagesziel ist heute das Camp von Pampa de Leña.
Aufstieg 730hm, Strecke ca. 14km, Gehzeit ca. 4h

Tag 2:
Das Lager Casa de Piedra, auf etwa 3300m, ist heute unser Ziel. Wir folgen dazu weiter dem Rio de las Vacas…
Aufstieg 1050hm, Strecke ca. 17km, Gehzeit ca. 6h

Tag 3:
Wir queren den Fluss und wandern das Relinchos–Tal hoch. Der kurze, aber steile Aufstieg bringt uns auf ein Hochtal welches wir weiter hinauf wandern. Am Ende erreichen wir am Fuße des Gipfelmasivs das Basislager „Plaza de Argentina“ auf 4200m
Aufstieg 1050hm, Strecke ca. 11km, Gehzeit ca. 6h

Tag 4:
Hier, im Basislager, beginnt die eigentliche Guanacos-Traverse. Aber erstmal ist hier Akklimatisierung angesagt.
Heute überprüft ein Arzt unsere Höhentauglichkeit für die weitere Besteigung.  Nachdem wir das OK haben, wissen wir, das wir weiter planen können.

Tag 5:
Ein weiterer Akklimatisierungstag im Basislager.
Mit Alex erkunde ich eine Eishöhle am Gletscherrand. Von einem nahegelegen Gerüllhügel hat man einen tollen Blick auf das Basislager.
Später am Nachmittag werden die nächsten Tage geplant.

Tag 6:
Der erste Materialtransport der Tour steht an: Wir bringen Brennstoff, Verpflegung und andere Dinge zum Hochlager 1 auf 5000m.
Für die 800hm auf 5km Strecke benötigen wir mit Pausen 4h.
Wir gewöhnen uns das langsamere Laufen an… Nach der Rückkehr ist wieder Chillen angesagt 🙂

Tag 7:
Noch ein Akklimatisierungstag…
Ich mache einen Spaziergang in ein kleines Tal neben dem Basislager. Hier endet/beginnt das Relinchos-Tal. Unterwegs kann ich einen Blick auf einen Teil der Südflanke des Aconcagua und das Relichos-Schneefeld erhaschen…

Tag 8:
Nun geht es mit dem restlischen Kram hinauf ins Lager 1. Dort bauen wir jetzt die Zelte auf und richten uns ein wenig ein, entspannen uns und gewöhnen uns an die Höhe. Hier gibt es einen kleinen Bach, der tatsächlich über Nacht nicht komplett einfriert.

Tag 9:
Heute steht wieder ein Materialtransport ins nächste Camp an.
Weiter hinauf durch den steilen Geröllkessel des Ameghino-Tal, geht es auf dessen Sattel bei 5370m, zwischen Cerro Ameghino und Aconcagua.
Hier verlassen wir die Polenroute und queren eine weitläufige Hochebene, bis wir schließlich nach etwa 4h auf etwa 5500m im Lager 2 ankommen, das einem flachen Tal unterhalb eines Gletschers liegt. Nachdem wir uns ein wenig umgeschaut und unser Material deponiert haben, geht es wieder zurück zum Lager 1.

Tag 10:
Wir bauen die Zelte ab und begeben uns mit unserer restlichen Ausrüstung zum Lager 2. Der Rest des Tages besteht aus Erkundung der näheren Umgebung und Entspannung zur Gewöhnung an die Höhe.
Apropos Höhe: In Sichtweite liegt Lager 3, wegen der bunten Felsen „Cólera” genannt.

Tag 11:
Mit kompletten Gepäck, also deutlich schwerer bepackt, begeben wir uns heute hinauf zum Lager 3. Wieder 4h für 500hm. Der Anstieg ist deutlich flacher, was uns aber sehr gefällt, kämpfen wir doch mittlerweile ordentlich mit der dünneren Luft… Zum Glück wird es erst kurz vor den Piedras blancas, den Weißen Felsen wird etwas steiler. Da haben wir aber schon fast das Lager erreicht.
Im Lager merken wir, das so ziemlich alles deutlich anstrengender ist, als noch (nur) 500m tiefer. Nachdem ich einen Sack mit Schnee als „Schmelzwasserdepot“ ans Zelt geschleppt hatte, musste ich mich erstmal ordentlich ausruhen…
Nichtsdestotrotz besuche ich heute noch das etwa 150hm niedriger liegende Lager Berlin, das aus zwei halbwegs erhaltenen alten und einer neuen aber ruinösen Hütte besteht. Der Weg runter und wieder hoch war ohne Rucksack zwar einfacher zu meistern, aber trotzdem eine kleine Herausvorderung. Wie soll wohl der Aufstieg zum Gipfel werden?
Aufgrund der nur für morgen sehr guten Wettervorhersage, sparen wir uns einen weiteren Tag Akklimatisierung und beschließen am nächsten Morgen früh aufzubrechen.

Tag 12:
Noch in der Dunkelheit, gegen 6:00, geht es nun auf die letzten, gut 950hm Richtung Gipfel.
Über einen gut zu gehenden, einfachen Pfad geht’s langsam es bis auf einen Sattel zum Refugio Independencia auf etwa 6380m, welches wir nach gut 2,5h erreichen und eine Pause einlegen.
Wir queren nun die Flanke auf der Gran Travesia und erreichen nach 2h die Canaleta, das berüchtigte steile Geröllfeld. Tatsächlich wird es hier nun so richtig anstrengend! Das unwegsame Gelände, zusammen mit der dünnen Höhenluft verlangt einem alles an Kraft ab! Nach weiteren 2h erreichen wir aber mehr oder wenig fit den Gipfel…
Das Triumpfgefühl stellt sich erst langsam ein, als man nach dem Aufstieg langsam wieder zu Atem kommt.
Auf der Gipfelkuppe ist es recht ruhig, nur eine andere kleine Gruppe ist außer uns hier. Der Wind ist sehr moderat und die Temperaturen entsprechend angenehm.
Das Panorama ist überwältigend, obwohl es leicht diesig ist!
Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf die Suche nach dem höchsten Geocache der Erde, dem GC45E08 „Aconcagua – The White Sentinel“. Leider ist nach der aus unterschiedlichen Gründen etwas zu kurz geratenen Suche nichts zu finden… Sehr schade!
Schon wird zum Sammeln gerufen und es geht wieder abwärts, zurück zum Lager Colera, das wir nach etwa 4h Abstieg erreichen. Hier bleiben wir dann noch eine Nacht.

Tag 13:
Es geht nun hinunter zum Basislager auf der Westseite des Aconcagua, der Plaza de Mulas, gelegen auf 4300m. Unterwegs kommen wir am Hochlager Nido de Condores, dem „Kondorennest“ vorbei. Ab dort geht es sehr steil über staubige Geröllfelder nach unten. Nach 3h haben wir es geschafft.
Dort angekommen wird erstmal ordentlich entspannt, auf den Gipfel angestoßen und die letzten Tage nachbesprochen!
Außerdem besuchen wir die höchste Kunstgalerie der Welt!

Tag 14:
Wir verlassen die Plaza de Mulas und steigen durch das langgestreckte Horcones-Tal ab. Nach gut 27km Wanderung mit 1300hm durch eine wunderschöne Landschaft kommen wir nach 8h am Parkplatz an. Hier wartet nicht nur der Bus, sondern auch ein eisgekühltes Bierchen auf uns 🙂
Da wir an dem Tag noch nicht genug gesehen hatten, machten wir auf dem Rückweg zum Hotel noch eine kurze Sightseeing-Pause an der berühmten Puente de Incas.


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